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Die Zuchtregulierung beim Grossen Seychellentaggecko (Phelsuma sundbergi longinsulae) – Eine Methode

- Anita & Markus Grimm -

   
Ich halte und züchte Phelsuma sundbergi longinsulae seit vielen Jahren mit Erfolg. In den ersten zwei Jahren produzierten meine drei Zuchtpaare sehr viele Jungtiere. Leider musste ich feststellen, dass der Absatz von solch unbekannten Taggeckos sehr schwierig ist. Mein Ziel, den Markt teilweise mit Nachzuchttieren abzudecken, war so in Frage gestellt. Die Zucht dieser Taggeckoart sollte trotzdem weitergeführt werden, aber nicht mit derart vielen Nachkommen. Die gut harmonierenden Paare sollten ausserdem nicht getrennt werden. Die Zeit war gekommen, um mir Gedanken zu machen, wie die Geckos zu einer reduzierten bzw. regulierten Zucht gebracht werden können.
 


Phelsuma sundbergi longisulae auf Mahé (Seychellen). Foto: Fritz Wüthrich

Die ersten Ideen beschränkten sich auf die Haltungskomponenten Licht, Luftfeuchtigkeit und Temperatur.
Eine Lichtquelle mit einem hohen Anteil an UV B-Strahlen ist meines Erachtens lebenswichtig und sollte keinesfalls durch qualitativ schlechteres Licht ersetzt werden.
Mit der Veränderung der Luftfeuchtigkeit konnte kein Erfolg verzeichnet werden. Offenbar ist es diesen Phelsumen egal, ob die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 60 % oder zwischen 80 und 90 % liegt.
Als nächstes wurde die Temperatur verändert. Leider hatte die Absenkung der Temperatur auf ca. 21 °C eine unangenehme Nebenwirkung: Nebst der reduzierten Paarungswilligkeit stellte sich auch eine verminderte Nahrungsaufnahme ein. Dieser sehr negative Neben­effekt konnte nicht gebilligt werden. Die Idee, das Paarungsverhalten mit Einzel­komponenten der Haltung zu beeinflussen, taugte somit nichts.
Durch die Veränderung der Haltungsbedingungen kristallisierte sich dennoch ein kleiner Hinweis heraus, wie das Paarungsverhalten beeinflusst werden könnte: Durch die Temperaturabsenkung reduzierte sich der Stoffwechsel der Taggeckos, welcher offenbar für die Paarungswilligkeit verantwortlich ist. Es stellte sich nun nur noch die Frage, wie der Stoffwechsel der Tiere beeinflusst werden kann, ohne dass sie dadurch Schaden nehmen.  

Meine Tiere erhalten ein- bis zweimal wöchentlich ein Honig-Vitaminpulvergemisch, welches an die Scheibe oder an ein Bambusrohr gestrichen wird. Eines Tages ging mir der Bienenhonig aus und ich kaufte nicht gleich ein neues Glas, so dass die Geckos einige Wochen keinen Honig-Vitaminmix erhielten. Die Zuchtpaare legten während dieser Periode keine Eier mehr ab. Dieses Phänomen musste genauer untersucht werden. Ich besorgte mir neuen Bienenhonig und mischte den Mix wie üblich mit 50 % Honig, 20 % Korvimin, 20 % Nekton-Rep und 10 % Kalk. Dieses Gemisch erhielt nun ein einziges Paar wieder regelmässig ein- bis zweimal pro Woche. Dieses Paar legte nach einem guten Monat wieder ein befruchtetes Doppelgelege ab. Bei den anderen beiden Zuchtpaaren blieb die Eiablage weiterhin aus. Hierbei ist anzumerken, dass es allen drei Zuchtpaaren dabei sehr gut erging. Die beiden Paare, welche keinen Mix mehr erhielten, zeigten ausser der ausbleibenden Eiablage keine weiteren negativen Veränderungen. So entstand nun endgültig die Idee, dass das Paarungsverhalten mit der differenzierten Verabreichung von Kalzium, Mineralstoffen und Vitaminen gesteuert werden könnte.

Der angefangene Versuch wurde um weitere 3 Monate verlängert. Es blieb beim gleichen Resultat wie nach dem ersten Monat. In den insgesamt 4 Monaten legte das Weibchen drei befruchtete Doppelgelege ab. Nach 4 Monaten wurde das Ganze nun umgekehrt. Das Paar, welches bisher als einziges vom Honig-Vitaminmix erhielt, wurde von diesem abgesetzt. Stattdessen erhielten jetzt die beiden anderen Paare ein- bis zweimal pro Woche davon. Das vom Vitamincocktail abgesetzte Weibchen legte nach etwa drei Wochen noch ein einzelnes Ei ab und stellte dann die Produktion völlig ein. Die anderen beiden Weibchen legten fast gleichzeitig - nach etwa 5 Wochen - je ein Doppelgelege ab. Die erneut erreichte Produktion erinnerte an die alten Zeiten.
Das Zuchtpaar, welches nach dem Absetzen des Vitamingemischs nur noch ein Ei ablegte, brachte mich auf eine weitere Idee: Wenn der Honig-Vitaminmix reduziert verabreicht würde, dann könnte das eventuell zur Folge haben, dass die Zucht problemlos funktioniert aber eben etwas reduziert. Alle Paare erhielten nur noch alle zwei Wochen einmal vom Vitaminmix. Diese Verminderung der Verabreichung führte dazu, dass die Weibchen aller drei Paare nur noch alle zwei bis drei Monate ein Doppelei ablegten. Scheinbar hatte ich das Ziel der Zuchtregulierung erreicht. Die Zucht mit einer reduzierten Mixgabe funktioniert nun bereits seit über zwei Jahren mit dem gewünschten Erfolg.


Phelsuma sundbergi longisulae auf Mahé (Seychellen). Foto: Fritz Wüthrich

Ob diese Zuchtregulierung nur mit Kalk, nur mit Mineralstoffen oder eventuell nur mit den Vitaminen im Zusammenhang steht, kann ich leider nicht beurteilen. Ich kann aber, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber den Tieren zu haben, diese Methode zur Zuchtregulierung sehr empfehlen. Diese Methode kann übrigens auch umgekehrt angewendet werden: Phelsumenhalter, welche bis anhin keine Zuchterfolge verzeichnen konnten, könnten ihre Tiere allenfalls durch zusätzliche oder grössere Gaben eines solchen Mixes zur Vermehrung bringen.

Ich wünsche allen Taggeckozüchtern weiterhin viel Erfolg mit ihren Tieren.

         

  Die Autoren
Anita und Markus Grimm
Rosenweg 6
CH-3322 Schönbühl
  

letzte Änderung: 21. Januar 2003   /  © Terra Inspira, Webmaster

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