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Das
Tigerchamäleon (Calumma tigris) auf den Seychellen - Anita & Markus Grimm - |
| Verbreitung |
| Das
Tigerchamäleon ist ein Endemit der Seychellen. Bislang wurde es auf den Inseln
Mahé, Praslin und Silhouette gefunden. |
| Lebensraum |
| Typische
Fundorte der Tigerchamäleons sind in der Nähe eines fliessenden Gewässers. Die Blätter
der Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung haben stets eine längliche Form wie zum
Beispiel der Bambus. Das Tigerchamäleon kommt in allen Höhenlagen vor. |
| Lebensweise |
| Nach
einer kurzen Aufwärmphase am Morgen gehen die Tiere auf Futtersuche. Kein Futtertier
entgeht ihren Augen: Sobald eines entdeckt ist, unternehmen sie zum Teil akrobatische
Verrenkungen, um das erblickte Futtertier blitzschnell mit ihrer Schleuderzunge
abzuschiessen. Über die Mittagszeit legen die Tiere eine Ruhephase von ein bis zwei
Stunden ein. Dazu verstecken sie sich im Schatten vor ihren Feinden und verharren
regungslos. Am Nachmittag geht die Jagd wieder los bis kurz vor dem Eindunkeln. Jeden
Abend suchen sie sich einen geeigneten Schlafplatz ausserhalb des Geästs. |
| Beschreibung |
| Mit einer
maximalen Länge von 16 cm gehört das Tigerchamäleon zu den kleineren Chamäleonarten.
An der Kinnspitzenunterseite befindet sich ein beschuppter Hautlappen, der bis zu 3 mm
lang sein kann. Das gesamte Kinn ist hellgrau bis weiss gefärbt. Der flache Helm setzt
sich kaum vom Kopf ab. Rücken- und Kinnkamm bestehen aus Stachelschuppen. Die Grundfarbe
des Körpers variiert von einem unauffälligen Hellgrau bis hin zu einem kräftigen Gelb,
das sogar bis ins Grün reichen kann. Oftmals ist der gesamte Körper mit schwarzen Tupfen
übersät. |
![]() |
| Haltung |
| Die
Tigerchamäleons gehören zu den einfach zu haltenden Chamäleons. Das Terrarium sollte
die Grösse (L*B*H) 70*40*80 für ein Paar nicht unterschreiten. Die Luftzirkulation muss
so gut sein, dass keine Stickluft entstehen kann. Ein Gazebehälter ist für diese
Chamäleonart trotzdem nicht erforderlich. Die Inneneinrichtung besteht aus Pflanzen mit
dünnen Ästen und länglichen Blättern. Die zusätzlichen Kletteräste dürfen einen
Durchmesser von über 3 cm aufweisen und sollten eine raue Oberfläche besitzen. Geeignete
Pflanzen sind zum Beispiel: jegliche Bambusarten, Ficus benjamin, Schefflera-Arten und
Dracaena-Arten. Der Bodengrund besteht aus irgendeiner Blumenerde. Als Lichtquelle dient
eine Lampe (noch besser sind mehrere Lampen), welche einerseits Wärme und andererseits
UV-B Licht abgeben. Der Anteil an UV-B-Licht ist ein wichtiger Faktor für eine
erfolgreiche Zucht dieser Chamäleonart. Nebst der Beleuchtung ist auch die Fütterung von
zentraler Bedeutung für den optimalen Vitamin D3- und Kalziumhaushalt. Die Futtertiere
werden stets mit einem Vitaminpulver, das mit den Vitaminen D3 und A sowie Kalzium
angereichert ist, eingestäubt. Als Vitaminpulver eignet sich das Korvimin ZVT. Die
Futtermenge muss so gewählt werden, dass die Futtertiere innert kurzer Zeit gefressen
werden. Die übrig gebliebenen Futtertiere verlieren nach einiger Zeit ihren Vitaminmantel
und werden dadurch überflüssig. Als Futtertiere kommen jegliche Insekten bis zu einer
Grösse von etwa 13 mm in Frage. Ein abwechslungsreiches Futterangebot ist empfehlenswert.
Bei einer Tagestemperatur um die 27 °C fühlen sich die Tiere wohl. Die untere
Temperaturgrenze für ausgewachsene Tiere liegt bei 20 °C. Die Temperaturobergrenze von
35 °C darf in den kühleren Zonen des Terrariums nicht überschritten werden. Ein
ständige Luftfeuchtigkeit von über 60 % ist selbstverständlich. Ein tägliches
Übersprühen des Terrariums dient zur Feuchtigkeitserhaltung und zugleich als
Trinkwasserspende. Die Tiere nehmen die entstandenen Wassertropfen auf den Blättern mit
ihrer Zunge auf. |
| Fortpflanzung |
| Die
Paarungswilligkeit kann mit Hilfe der Luftfeuchtigkeit reguliert werden. Durch die
Simulation des Regenzeitbeginns wird die Paarung ausgelöst. Die Paarung erfolgt jeweils
im späteren Nachmittag und dauert zwischen sechs bis acht Stunden. Nach dieser Zeit löst
sich die Paarung und die Tiere verbringen die Nacht noch nebeneinander. Die Tragzeit
dauert bei einer optimalen Terrarientemperatur von 27 °C zwei Monate. Bei tieferen
Temperaturen von etwa 23 °C kann sich die Tragzeit auf 70 Tage erweitern. Die 5 bis 12
Eier werden in einen 3 cm tiefen Krater abgelegt. Das Legesubstrat besteht aus feuchter
Blumenerde. Die Eier müssen innerhalb von 24 Stunden nach der Ablage in eine luftdicht
abgeschlosse Plastikdose, die zur Hälfte mit feuchtem Vermiculit gefüllt ist,
überführt werden. Die Zeitigung der Eier dauert genau gleich lang wie die Tragzeit. Das
heisst, dass bei einer Zeitigungstemperatur von 26 °C die Jungen nach 60 bis 65 Tagen
schlüpfen. Eine Absenkung oder eine Erhöhung der Zeitigungstemperatur von 3 °C hat zur
Folge, dass der Schlupf 5-7 Tage früher oder später stattfindet. Jungtiere, die eine
Woche zu früh oder zu spät schlüpfen, sind oftmals nicht überlebensfähig. Einige
Stunden vor dem Schlupf beginnen die Eier zu schwitzen. Die Zeit vom ersten Riss in der
Eihaut bis zum vollständigen Verlassen des Eis beträgt zwischen 1 und 3 Stunden. In
dieser Zeit ziehen die Jungen den Dottersack vollständig ein und stellen auf die
Lungenatmung um. Ist ein Tier nach 3 Stunden noch nicht ganz aus dem Ei herausgekrochen,
dann ist seine Überlebenschance sehr gering. |
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| Jungtiere |
| Die
Jungtiere können in Gruppen aufgezogen werden. Die Terrariengrösse für die ersten 3-4
Lebensmonate beträgt (L*B*H) 30*40*50 cm. Nach etwa 4 Monaten verlieren sie die
Jugendfärbung und sollten dann in ein grösseres Terrarium umgesiedelt werden. Als Futter
werden mit Vitaminpulver eingestäubte Fruchtfliegen (Drosophila) angeboten. Ein
tägliches Übersprühen des Terrariums mit Wasser ist unerlässlich. Die Temperatur darf
bei den Jungtieren nicht unter 22 °C abfallen. Eine Höchsttemperatur von 30 °C ist
strikte einzuhalten. Nur direkt unter dem Beleuchtungskörper darf die Temperatur bis auf
etwa 35 °C ansteigen. Bis zum vierten Lebensmonat sind die Jungen sehr anfällig auf
Unter- oder Überschreitung der Temperatur. |
![]() Eier von C. tigris, schwitzend und rechts mit Riss
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| Geschlechtsreife |
| Mit einem Alter von 7 bis 8 Monaten kann das Geschlecht
anhand des Schwanzfortsatzes bestimmt werden. Ob die Tiere jedoch in diesem Alter bereits
geschlechtsreif sind, kann nicht bestätigt werden. Die erste beobachtete Paarung fand in
einem Alter von 9 bis 10 Monaten statt. |
![]() 7 Monate altes Weibchen |
![]() 7 Monate altes Männchen |
| Lebensalter |
| Die
Lebenserwartung dieser kleinen Chamäleonart ist mit über vier Jahren recht hoch. Ab dem
vierten Lebensjahr stellen sie die Reproduktion ein. |
| Besonderes |
| Die
Häutung erfolgt in für Chamäleons sehr kurzer Zeit. Vom ersten weissen Fleck bis zur
vollständigen Hautablösung vergehen lediglich zwischen 1 und 2 Stunden. |
| Die Autoren |
| Anita
und Markus Grimm Rosenweg 6 CH-3322 Schönbühl Fotos: Markus Grimm |